Bericht WDW 2022

Einmal nach Sardinien und wieder zurück!

von Sylvia Burkart


Wieder zu Hause: Beim Auspacken der Klamotten, finde ich einen Stein in der Hosentasche und noch etwas Sand in den Schuhen. Ich komme ins Träumen Sardinien, Italien –  Wie war es doch schön!

Als wir voll Spannung unsere Sachen packten, uns Gedanken machten was wir brauchen oder aber nicht, das Gewicht der Tasche überprüften und mehrmals täglich im Online-Wetter nachschauten, ob die Temperaturen wirklich so heiß blieben, wussten wir nicht was wir alles erleben werden.

Das Personal auf dem Flughafen in Berlin kam mit dem Verladen vom Gepäck nicht hinterher und deshalb hatten wir fast eine Stunde Verspätung. Peter liebt das Fliegen und konnte gar nicht genug von der Landschaft unter uns bekommen. Ständig prüfte er, worüber wir gerade fliegen und nannte mir die Berge oder Städte.
Endlich Sardinien, heiß, sehr heiß! Es war schon Nachmittag als wir landeten und bis wir uns alle mit unseren Klamotten und Motorrädern (die in der Sarda-Moto Tour-Halle standen) sortiert hatten, wurde es 17.00 Uhr.
Mein Peter hat sich im Vorfeld sehr sorgfältig auf die Touren und Reiseziele vorbereitet, so dass wir einfach losfahren konnten. Eigentlich wollte ich nur noch ankommen, mich ins Meer werfen, das dabei wohl zischen und dampfen würde. Nachdem wir der Stadt entkommen waren, erschlug mich die Natur fast. Felsen in mitten von Korkeichenwäldern umzingelt von Trockenmauern, Olivenbäume, viel Trockenheit und sagenhafte Kurven! An diese musste ich mich erst einmal gewöhnen!

Unser Trio erreichte die Hotelanlage, zum Schwimmen im Meer blieb keine Zeit, denn es war schon recht spät. Abendessen, Cocktails und Bier trinken, Wein probieren und quasselnd den Abend ausklingen lassen. Peter und ich waren noch mit den Füßen am Meer, das wirklich direkt von der Hotelanlage zu erreichen war. Unbedingt müssen wir morgen vor dem Frühstück schwimmen gehen!

Früh 7.00 Uhr kein Mensch ist am Strand. Nein das ist nicht ganz richtig! Eine Person führt ihren Hund aus, aber keiner ist im Wasser. Wir haben das ganze Meer für uns allein! Und es ist herrlich warm und welch Wunder – salzig.

Wir genießen die Tage auf Sardinien in vollen Zügen. Früh schwimmen, dann bis zum zeitigen Nachmittag Motorrad fahren, Kurven schnappen, Landschaft auf uns einwirken lassen, danach ordentlich Schwimmen, Eis essen fahren, gemütlich beisammensitzen, Abendessen und den Tag Revue passieren lassen.

An einem Abend zogen wir uns zu 5. mit unseren Weingläsern an den leeren Strand zurück. Weitab von den Hotelgästen lauschten wir der Wellen und betrachteten die Sterne. Ich entdeckte einen liegengeblieben Kinderschwimmreifen und konnte mich nicht bremsen. Schnell (es war schon recht dunkel!) die Sachen aus, den Ring geschnappt und ab ins Wasser. Ich glaub das war einer der schönsten Momente in diesem Urlaub. Die Wellen wiegten mich und es gab nichts weiter als die Sterne, das Schwappen des Wassers am Schwimmring und natürlich das Geschnatter unserer kleinen Truppe!

Ein Tag/Abend bzw. Nacht war für Warmuths ganz Besonders. Denn sie wurden zu Omi und Opi. Uta fieberte die ganze Zeit mit, war eigentlich gar nur physisch anwesend, wäre liebend gern bei dem Paar zu Hause. Morgens war das Baby da und die ganze Reisegesellschaft hat sich mit den beiden gefreut.

Leider ging es der Anja auf Sardinien nicht gut. Sie ist so taff, ist trotz ihrer Krankheit mitgekommen. Es sollte nicht sein. Anja und Dirk mussten die Reise abbrechen. Wir denken oft dich Anja und wünschen dir alle Kraft der Welt!

In diesem Urlaub war für alles gesorgt. Holger hatte so ungefähr ¾ seiner Werkstatt eingepackt und konnte jedes Wehwehchen der Motorräder heilen oder lindern. Regelmäßig wurden die Ketten gecheckt und eingesprüht – sogar in Abwesenheit der Eigentümer! Die haben sich dann anderen Tags bestimmt gewundert, dass ihr Motorrad fährt wie frisch geschmiert!

Mein Peter hatte für jeden Tag eine neue Route zum Fahren ausgetüftelt, angepasst an die Hitze und unserer Laune. Mauro der immer mit von der Partie war, brachte uns „effektives Fahren“ bei. Das hat richtig Spaß gemacht!! Außerdem ist es so was von praktisch, wenn jemand in deiner Nähe die Landessprache beherrscht. Also vielen Dank Mauro, dass du dich so gut um uns gekümmert hast!

Die Zeit in Sardinien war vorbei und wir eilten zum nächsten Highlight. Erst einmal Fähre – Aufregung -wie fährt man in den Bauch des Schiffes, wie wird das Motorrad fachgerecht verzurrt? Wie ist die Kabine? Finde ich mich auf dem Schiff mit den vielen Decks überhaupt zurecht? Wie lange dauert die Überfahrt? Wir haben 3 unserer Reisebegleiter gefragt und 3 verschiedene Antworten bekommen. Hatten Angst zu verschlafen, waren hibbelig wie kleine Kinder.
Morgens wurden wir zentral zur richtigen Zeit von Lautsprecherdurchsagen geweckt. Wir konnten zeitig starten. Peter hat nicht die kürzeste Route bis nach Gabicche Mare geplant, aber dafür wohl die Schönste. Wir fuhren durch die Toscana, bewunderten die Türme von San Gimignano, schlängelten uns durch Städtchen wie Castellina in Chianti.

Wir waren zu 4 unterwegs. Mauro und unser Kassenwart Frank (die beiden hatten am Abend ein DOC-Treffen in San Marino und mussten pünktlich sein), Peter und ich.
Nach 1,5 Stunden machten wir in einem Dörfchen Frühstücksrast. Wie soll ich es beschreiben. Ein kleines Dorf, zentral ein Lokal. Lokal ist das völlig falsche Wort. Ein Dorfzentrum – auch das falsche Wort. Also ein Haus mit einem Raum, mit Theke, Ausschank und Kleinigkeiten zum Essen, ein paar Tische, Stühle und draußen unter einer mit ziemlich alten Netzgittertüchern behangenen Terrasse 2 Plastiktische + Stühle. Aber hier herrschte das Leben. Dieser Ort ist die Dorfzentrale, hier wird geklatscht, getratscht, Neuigkeiten verbreitet und Kaffee getrunken. Ein Geschwader Omis flatterte ein und Mauro konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Logisch er verstand jedes Wort und erzählte uns, dass die alten Mädels auf den Friedhof wollen, um sämtliche Gräber hübsch zu machen. So ist das dort – ein richtiges Dorfleben und jeder bringt sich ein, macht was er kann. Aber vorher gibt es  einen Kaffee und netten Dorfklatsch in diesem Lokal. Übrigens als wir gestärkt unsere Motorräder bestiegen, saßen die Omis noch immer lachend und schnatternd am Tisch. Was soll`s ob die Gräber eine Stunde eher oder später fertig werden ist doch egal. Hauptsache man ist gut informiert, hat seine Freude an der Gemeinschaft und wird mit der vorgenommenen Arbeit irgendwann fertig.
Wieder einmal Danke Mauro, ohne dich hätten wir das nicht erlebt!

Dann der Schock – vom beschaulichen Sardinien mit den tollen Bergen, den herrlichen Stränden und blauem Meer, durch die wunderschöne Toscana mit Weinbergen und Olivenhainen nach Gabicche Mare. Eine Touristenhochburg. Ein Hotel am anderen. Ein Restaurant am anderen. Der Strand war vor lauter Liegen und Sonnenschirmen nicht zu sehen. Menschen über Menschen. Und morgen geht`s zur WDW!

An diesem Abend war ich, ich gebe es zu ein bisschen „satt“. Ich war von meiner schlaflosen Nacht auf der Fähre total erledigt, hatte Hunger und die Auswahl der Restaurants war scheinbar unendlich. Aber überall so viele Menschen und alles soo touristisch. Peter und ich suchten ein eher authentisches Lokal mit einheimischen Gästen und nicht so viel Trubel. Wir fanden es auch und dort speisten wir heute und auch an den folgenden Abenden. Hier bediente der Chef und dieser erkannte uns auch am anderen Abend gleich wieder. Wir fühlten uns wohl, das Essen schmeckte lecker und es war nicht weit zum Hotel. Unweit vom Hotel gab es eine richtig schöne Konditorei. Zuckermäuler wie wir zwei sind, erkannten wir gleich, dass das Frühstück dort nicht zu toppen ist und wählten das Hotelfrühstück ab. Eine super Entscheidung!!

WDW- heiße Tage! So viele Trubel. Ein Motorrad am anderen und man glaubt es kaum, fast alles Ducatis. In der Boxengasse: oh guck mal da ist Bagnaia und dort ist Bautista! Ganz viele Zelte mit Vorstellungen von Motorrädern. Von den Tribünen konnten wir die Lamborghinis und die Rennstrecken-Motorradfahrer die die Strecke gebucht hatten beobachten.
Es gab Stände mit allen Gattungen Bekleidungen und Accessoires.
Abends das Rennen. Wir saßen auf der Tribüne an der Boxengasse und die Piloten posierten und winkten uns, machten Wheelies, ließen ihre Hinterräder gewaltig durchdrehen und warfen zum Schluss ihre Stiefel und Handschuhe in die Menge. Unvergesslich! und das Allerbeste – in jedem Fall hat ein Ducati-Fahrer gewonnen!!

Noch zu erwähnen wäre, dass die Polizei in Italien keinen Spaß versteht! Auf Sardinien sind Verkehrsschilder eher Anhaltspunkte und die Polizei ist Motorradfahrern zugeneigt. In Italien sieht das ganz anders aus! Also bitte niemals auch nur einen halben Meter ohne Motorradhelm fahren!! Das kann die ganze Reise ruinieren!!

Sonntag – Abschied von der Truppe!

Für die meisten endete jetzt der Urlaub.

Für uns 5 Heimfahrer begann ein neues Abenteuer. David und Marie auf der Multi hatten die Idee von der WDW aus mit Motorrädern nach Hause zu fahren, Frank unser Kassenwart auch mit Multi unterwegs, war davon begeistert und Peter mit Supersport sowieso. Im Juni hatten wir an einem Wochenende gemeinsam den finalen Plan entworfen, teilweise Hotels gebucht und uns auf die Reise gefreut. Zwischendurch kamen dem Einen oder Anderen einige Bedenken. Schließlich wären wir zu diesem Zeitpunkt schon eine Weile unterwegs und die Wetterprognosen standen auf 40 °.
Mit minimalistischem Gepäck, Peter und ich hatten jeder auf seiner Supersport nur eine Hecktasche und einen Tankrucksack. Die Multifraktion war besser aufgestellt. Vor allem David mit seinem „Pizzakoffer“ hinten drauf. Der hat seinem Namen alle Ehre gemacht – dazu komme ich aber später!

Unser Tourhauptplaner hatte im Vorfeld für diesen 1. Streckenabschnitt ein mulmiges Gefühl. Peter hat sich sehr genau informiert, wie die Straßen wohl sein werden, die sich so durch die Berge des Apenningebirges schlängeln. Und er hatte so was von Recht! Unfahrbar! Eine enge Kehre an der anderen und ganz miserable Straßenqualität. Wir holperten und polterten Berg auf und Berg ab. Kurz nach Mittag waren wir alle durch und Peter wählte eine Strecke durchs Tal bis an unser heutiges Etappenziel. Wir fuhren durch die Emilia Romagna. Wundervoll, links und rechts Obstplantagen Kiwis, Pfirsische, Aprikosen und Melonenfelder. Manchmal müssen Reisende auch Glück haben. Da Sonntag war, hatten eigentlich alle Stände an dem Straßenrand geschlossen, aber ein richtig großer Stand mit ein paar Tischen und Stühlen hatte auf. Gigantisch wir überschlugen uns mit unserem Einkauf:

Wassermelone, Honigmelone, Weinbergpfirsisch, Tomaten verschiedener Art. Ich packte mein Taschenmesser aus und wir zerlegten in Windeseile die reifen Früchte, alles klebte vom Saft. Wir aber strahlten. Köstlich, reif, lecker und frisch! 

Weiter ging es, zu unserem Agritourismo in die Berge. Das letzte Stück für unser Supersportmotorräder eine kleine Herausforderung – Schotterwaldweg mit Löchern und Steigung. Habens überlebt. Peters Motorrad bekam am anderen Tag schlechte Laune und belohnte ihn mit der gelben Motorkontrollleuchte!
War das eine tolle Unterkunft! Mitten im Nirgendwo, kein Mensch, kein Zivilisationslärm und auch kein Restaurant das fußläufig unter 2 Stunden zu erreichen war….
Jetzt tritt Davids Pizzakoffer in Aktion! Mit Hilfe der Dame die uns unsere Zimmer übergab und die schon längst Feierabend hatte und nach Hause wollte, organisierten wir Pizzen und David der fliegende Pizzabote fuhr los, diese zu holen. Ein wundervoller Abend unter einer Weinlaube. Und ab 21.00 Uhr ganz still – denn die Grillen hörten nach einem 12 Stunden Arbeitstag auf zu zirpen. Wir genossen die Ruhe nach dem Trubel der vergangenen Tage und wären gern noch länger geblieben.

Der nächste Tag führte uns durch die Po-Ebene Richtung Monte Grappa. Diese Gegend haben wir mit Bedacht gewählt, klingt er schließlich doch sehr nach Grappa!!

Wir erlebten an diesem Tag einen wunderlichen, älteren Mann der ungewöhnlich gastfreundlich war. Wie so oft musste wegen mir und meiner „Pionierblase“ angehalten werden. Ich schlüpfte schnell ins Maisfeld und begutachtete anschließend die Bäume und Gewächse die sich um das Gehöft an dem wir hielten befanden. Diese Früchte kannte ich nicht. Keiner von uns konnte sich einen Reim darauf machen, um was es sich handelt. Da kam ein kleines Männchen mit grauen Haaren und weißem T-Shirt auf uns zugeschlurft. Er redete pausenlos italienisch auf uns ein. Es schien, dass es ihm völlig egal war, dass wir ihn nicht verstanden. Wir zeigten auf die sonderbaren Früchte des Baumes und mit Hilfe von Google-Übersetzter (wir danken dem Erfinder dieser App!) konnten wir endlich erfahren, es handelt sich um Khaki. Jetzt war das Männel nicht mehr aufzuhalten! Er zottelte uns durch seinen ganzen Garten mit Gemüsepflanzen, Hühnern und Bäumen. Überall blieb er stehen und nannte uns die entsprechenden Namen – auch bei den Hühnern! Wir wollten weiter, hatten noch viele Kilometer abzufahren und die Sonne brannte fürchterlich. Es gab kein Entrinnen, wir wurden zum Kaffee eingeladen und diese Einladung konnten wir nicht abwählen. Tapfer gingen wir ins Haus und siehe, es handelte sich um ein altes, geschlossenes Lokal. Unser Gastwirt machte im historischen Automaten Kaffee und wir wurden genötigt uns sein Gästebuch anzusehen. Er wollte uns unbedingt zeigen, dass auch deutsche Gäste sich darin verewigt haben. Nur noch zur Information das Gästebuch endete im alten Jahrtausend!!

Weiter ging es. Frank fehlte Öl im Motorrad und bei Peter leuchtete die Motorkontrolllampe gelb. Wir suchten einen Ducati-Service  in Padua auf. Frank übergab dort seinen letzten DOC-Aufkleber. Uns wurde sehr schnell und gut geholfen.

Es war später Nachmittag als wir in Crespano del Grappa ankamen. Diesmal logierten wir auf einem alten Herrensitz. Ein großes Gebäude was schon die verschiedensten Bewohner hatte. Ehrlich gesagt war es schön, aber etwas gruselig. Immer wieder tauchte wie aus dem Nichts die schlurfende Hausdame auf und maßregelte uns mit Blicken. Sehr merkwürdig. Schnell wurde uns klar, hier gibt es nichts zu essen und es ist Montag, was bedeutet nirgends gibt es etwas zu essen, alles zu!
Diesmal zogen Peter und ich in Badeschlappen los, um eine offene Kaufhalle zu finden. Wir hatten Glück! Bepackt wie die Esel kehrten wir aus dem von uns leergekauften Geschäft zurück. Und in der Zwischenzeit hat das Leben zugeschlagen. David und Marie bekamen die Nachricht, dass sich der Flächenbrand ihrem zu Hause nähert und das evakuiert werden muss. Wie die beiden diese Nachricht wegsteckten, mit Hilfe ihrer Eltern das Wichtigste aus der Wohnung räumen ließen und immer die Ruhe bewahrten. Hut ab!! Dieser Abend war nur mit Alkohol zu überstehen. Wir richteten uns draußen im Garten der alten Villa den Tisch und fielen wie die Heuschrecken über die leckeren Lebensmittel her. Landestypisches Weißbrot, Olivenöl, Oliven, Käse, Tomaten mit Mozzarella, zum Runterspülen Rotwein und zum Nachspülen Grappa!! Ein unvergesslicher Abend, wir haben so viel gelacht und Spaß gehabt!

Am nächsten Tag gab es immer noch keine Entspannung in Sachen Feuer!
Das wollte ich noch ganz wichtig sagen! Als wir David und Marie fragten, ob sie an dieser Stelle abbrechen und schnellstens nach Hause fahren wollen, antworteten beide NEIN! Alles was ich brauche ist hier, mein Leben ist hier und dabei sahen sie sich an!  Ist das nicht toll?

Also ab geht es. Endlich raus aus dem Museum mit Schlossgespenst. Aufi nach Südtirol mit seinen Spitzkehren. Wir begannen mit San Boldo. Bei der Anfahrt dorthin wurde mir schon ganz anders. Wir konnten genau sehen, was da auf uns zukommt und das machte mir Angst. War unbegründet. Ging!
Ich gebe es zu, die engen Kehren sind nicht so ganz mein Beuteschema. Ich hangel mich so durch die Kurven und hoffe heil anzukommen. Vor allem wenn Peter vorausgefahren ist und ich die Geschwindigkeit meine wilden Gedanken anpasse.
Nachmittag in Südtirol. Peter zog allein los noch das Würzjoch fahren. Ich war fußläufig unterwegs. Frank genoss ein Bierchen, Marie und David wollten sich erholen.
Abendessen, Aperölchen, Schlafenszeit. Und noch was! Bei unseren Brandenburgern hat sich der Evakuierungsstatus geändert. Jetzt ist das Feuer nicht mehr das Problem sondern ein Bombenfund!

Mittwoch sollte es über die Großglockner Hochalpenstraße nach Südtirol gehen. So war der Plan, Hotel gebucht. Manchmal kommt es aber anders. Wir fuhren im Stau, schlängelten uns an vielen Autos vorbei bis zur verstopften Kreuzung und da passierte es. Ich rammte mit Lenker und Spiegel ein Auto. Der Sturz war unvermeidlich. Hinterradbremshebel abgebrochen, Spiegelblinker hängt spondulose herum. Dank Klebeband und meinem Ehemann kommen wir bis nach Bozen in eine „Ducati“ Werkstatt die sich als Hondawerkstatt entpuppte. Ersatzteile hatten sie keine. Mit ein bisschen Improvisation und Zeit wurde meine Maschine notdürftig repariert. Jetzt lohnte es nicht mehr unsere Fahrt fortzusetzten. Wir blieben in Klobenstein. Machten uns nachdem wir den recht anstrengendem Hotelbesitzer entfliehen konnten einen gemütlichen Abend, besuchten die dortige Bunker-Bar. Beratschlagten wie es weitergehen soll. Statt Freitag würden wir erst Sonnabend nach Hause kommen. Auch nicht schlecht! Haben wir einen Tag mehr.

Wir hatten für diesen Abend noch kein Hotel gebucht und wollten dies unterwegs erledigen. Frank war ganz aufgeregt, konnte nicht verstehen, dass wir so entspannt fuhren und fuhren. Das lag aber daran, dass wir zu unserm Mittagshalt an der roten Ampel (30 Minuten Wartezeit zum Pass) heimlich in Frank seinem Favoritenhotel in St. Leonhard gebucht hatten und ihn damit überraschen wollten. Er wurde immer nervöser und konnte unsere wutschen und wedeln Kurvenstrecke die sooo wunderschön war nicht genießen. Ein schöner Tag. Mein Motorrad ließ mich nicht im Stich, wir waren ein gutes Team.
Und Frank sein Hotel war wirklich prima! Tiefgarage für die Mopeds. Ein Zimmer, davon haben wir die letzten Tage nicht zu träumen gewagt, tolles Abendessen. Perfekt!  Lageplanung nächster Stopp. Es sollte über den bayrischen Wald nach Pilsen gehen. Und Regen war angesagt! 

Donnerstag Großglockner Hochalpenstraße. Super schöne Kurven. Allerfeinste Aussicht. Leider reichte unsere Zeit nicht um die Straße wiederholt zu fahren. 

Wir begannen unsere erste Etappe mit der Roßfeld-Panorama Straße. Waren so ziemlich die ersten an diesem Tag, die diese Strecke nahmen. Ein sagenhafter Panoramablick zu den Bergen um Berchtesgaden. Und das Beste, der David hat mich olle Kehrenspaßbremse überholt und ich hatte endlich wieder jemanden vor mir an dem ich meinen Fahrstil anpassen konnte. So hatte auch ich Spaß an den Kehren!

Wir fuhren am Großen Aber vorbei über Bayrisch Eisenstein nach Pilsen. Kurz nach der Ankunft fing es an zu regnen. Das passte ein bisschen zu meiner Stimmung! Unser letzter Abend! Morgen wieder zu Hause! Im Würgegriff des Alltages gefangen!
Schlechte Gedanken weggeschlossen, wir haben noch diesen Abend! Und der war schön. Nach einem Regenspaziergang über den gigantischen Marktplatz von Pilsen zogen wir uns in ein traditionelles Restaurant zurück. Aßen Knödel und tranken Bier. Unser Hotel war übrigens vom Feinsten und gar nicht teuer. Das Marriott-Hotel kann man nur empfehlen! Und ein Frühstück gab es da – Halleluja!!

Bis zur Grenze am Fichtelberg sind wir trocken geblieben. Hier trennten sich letztlich unsere Wege und unsere für kurze Zeit geschlossene Reisegemeinschaft.
Dann fing der Regen an und die Umleitungen wegen diverser Baustellen. Bloß gut, dass so ein Einspurfahrzeug recht willig auch durch gesperrte Baustellen fährt. Ich glaub sonst wären wir jetzt noch nicht da!

Wär vielleicht gar nicht so schlimm! Einfach auf das Moped gestiegen und los geht`s!
Man braucht nicht so viel wie man denkt!  Ein gedecktes Bankkonto ist sinnvoll! Und gute Freunde die mit dir reisen und alles mit durchhalten, die dir helfen und denen du helfen kannst.

Ich bereue keine Minute unserer gesamten Reise, würde am liebsten gleich wieder los.
Sardinien war wunderschön, Misano anstrengend und aufregend, unsere Heimfahrt abenteuerlich und lehrreich.